Harley-Davidson Sportster Roadster mit Fahrerin

CE-zertifizierte Fahrerschutzbekleidung

Woran erkennst du Motorradbekleidung, die im Sturz wirklich schützt? Die Antwort steht auf dem Etikett: CE-Kennzeichnung, Normnummer und Schutzklasse. In diesem Beitrag erklären wir, was dahintersteckt, was in Deutschland und im europäischen Ausland Pflicht ist und wie du die Angaben auf Jacke, Hose, Handschuhen und Stiefeln liest.

Mehr zu den Materialien selbst, von Leder über Kevlar® bis zu Membranen, findest du in unserem Material- und Technologielexikon Motorradbekleidung.

Stand: Oktober 2026

PSA: Persönliche Schutzausrüstung im Motorradbereich

Grundlage ist die Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen (PSA). Das Europäische Parlament und der Rat haben sie am 9. März 2016 verabschiedet, seit dem 21. April 2018 ist sie anzuwenden. Motorradschutzkleidung gilt danach als PSA der Kategorie II. Dazu gehören Jacken, Hosen und Kombis genauso wie Handschuhe, Stiefel und Protektoren, die speziell für Motorradfahrer entwickelt und geprüft sind.

Eine Ausnahme sind Helme und Visiere: Sie fallen nicht unter die PSA-Verordnung, sondern unter die UN-Regelung Nr. 22, kurz ECE 22.

Was das CE-Zeichen bedeutet
Mit der CE-Kennzeichnung bestätigt der Hersteller, dass sein Produkt die Anforderungen der Verordnung erfüllt. Bei PSA der Kategorie II muss vorher eine unabhängige, notifizierte Prüfstelle das Modell in einer EU-Baumusterprüfung getestet haben. Eine vierstellige Kennnummer der Prüfstelle hinter dem CE-Zeichen gibt es dagegen nur bei Kategorie III.

Zertifizierte Motorradbekleidung schützt vor allem durch:

  • Abrieb- und Reißfestigkeit von Obermaterial und Nähten
  • Protektoren, die an den sturzgefährdeten Stellen fest sitzen, etwa an Schultern und Ellbogen oder an Hüfte und Knien
  • eine ergonomische Gestaltung

Was heißt das für dich?
Die Verordnung richtet sich an Hersteller, Importeure und Händler, nicht an dich als Fahrer. Deine vorhandene Kleidung darfst du also weiter tragen. Händler und Hersteller dürfen Schutzkleidung aber nur noch mit Zertifizierung nach der Norm EN 17092 als Motorradbekleidung anbieten. Unsere Motorradbekleidung findest du im Shop.

Pflicht oder nicht? Deutschland, Österreich, Schweiz und Ausland

In Deutschland ist für Motorradfahrer und Beifahrer nur der Helm vorgeschrieben (§ 21a Abs. 2 StVO). Handschuhe, Jacke, Hose oder Stiefel sind keine Pflicht. Auch in Österreich und der Schweiz gilt nur die Helmpflicht.

Trotzdem kann fehlende Schutzkleidung Folgen haben: Nach einem Unfall prüfen Gerichte im Einzelfall, ob dich ein Mitverschulden trifft und dein Schadenersatz gekürzt wird. Eine pauschale Regel gibt es dafür nicht.

Einige Länder schreiben mehr vor. Diese Regeln gelten auch für dich, wenn du dort mit deutschem Kennzeichen unterwegs bist:

  • Frankreich: Seit dem 20. November 2016 müssen Fahrer und Beifahrer von Motorrädern, motorisierten Drei- und Vierrädern sowie Mopeds CE-zertifizierte Motorradhandschuhe tragen. Bei Verstößen werden 68 Euro fällig.
  • Belgien: Fahrer und Beifahrer müssen neben dem Helm Handschuhe, eine langärmlige Jacke, eine lange Hose oder einen Overall sowie Stiefel oder Stiefeletten tragen, die über die Knöchel reichen. Wer ohne fährt, zahlt 58 Euro.
  • Spanien: Seit dem 1. Oktober 2026 sind außerorts Handschuhe Pflicht, Verstöße kosten 200 Euro. Welche Zertifizierung die Handschuhe künftig haben müssen, legt eine noch ausstehende Verordnung fest. Außerdem sind auf allen Straßen geschlossene Schuhe vorgeschrieben.

Die Regeln ändern sich immer wieder. Informiere dich deshalb vor jeder Auslandsfahrt über die aktuellen Vorschriften, zum Beispiel beim ADAC.

So wird Motorradbekleidung geprüft und eingestuft

Die PSA-Verordnung teilt Schutzausrüstung nach dem Risiko in drei Kategorien ein:

  • Kategorie I: geringe Risiken, zum Beispiel Gartenhandschuhe oder Sonnenbrillen für den privaten Gebrauch. Hier bewertet der Hersteller sein Produkt selbst.
  • Kategorie II: alles, was weder in Kategorie I noch in Kategorie III fällt, darunter Motorradschutzkleidung. Eine notifizierte Prüfstelle muss das Modell testen.
  • Kategorie III: hohe Risiken, zum Beispiel bei Atemschutzgeräten oder Absturzsicherungen. Hier wird zusätzlich die laufende Produktion überwacht.

Die Schutzklassen nach EN 17092
Für Jacken, Hosen und Kombis gilt die Norm EN 17092 aus dem Jahr 2020. Teil 1 beschreibt die Prüfverfahren, die Teile 2 bis 6 legen fünf Schutzklassen fest:

  • AAA (EN 17092-2): höchster Schutz vor Aufprall und Abrieb, dafür oft schwerer, wärmer und weniger bequem, typisch bei Kombis
  • AA (EN 17092-3): Schutz für die meisten Fahrsituationen
  • A (EN 17092-4): Schutz vor Aufprall und Abrieb mit den geringsten Einbußen bei Gewicht und Komfort, gedacht für warmes Wetter
  • B (EN 17092-5): Abriebschutz wie Klasse A, aber ohne Protektoren
  • C (EN 17092-6): Kleidungsstücke ohne eigenen Abriebschutz, die nur Protektoren in Position halten, etwa Protektorenshirts. Sie werden unter oder über anderer Kleidung getragen.

Kleidungsstücke der Klassen AAA, AA und A haben immer Protektoren eingebaut.

Geprüft wird in drei Zonen
Die Norm teilt jedes Kleidungsstück in Zonen ein. Zone 1 umfasst Schultern, Ellbogen, Hüfte und Knie, die bei einem Sturz am stärksten gefährdet sind. Zone 2 umfasst die übrigen Flächen, Zone 3 die am wenigsten gefährdeten Stellen wie Beininnenseiten und Kniekehlen. Je nach Klasse und Zone gelten unterschiedliche Mindestanforderungen an Abrieb-, Reiß- und Nahtfestigkeit.

Beim Abriebtest wird das Material bei einer festgelegten Geschwindigkeit belastet. Entsteht dabei ein Loch von mehr als 5 mm, ist es durchgefallen. Die Geschwindigkeiten (siehe Tabelle) sind Prüfwerte aus dem Labor und keine Garantie für einen Sturz bei diesem Tempo. Außerdem wird zum Beispiel geprüft, ob die Kleidung nach fünf Wäschen um höchstens 5 % einläuft.

Neben dem CE-Zeichen und dem Motorradfahrer-Piktogramm stehen auf dem Etikett die Normnummer und die erreichte Klasse. Manche Etiketten nennen zusätzlich die ältere Norm EN 13595, die für Schutzkleidung von Berufsfahrern gedacht ist.

KlasseNormProtektorenAbriebtest Zone 1Abriebtest Zone 2
AAAEN 17092-2ja120 km/h75 km/h
AAEN 17092-3ja70 km/h45 km/h
AEN 17092-4ja45 km/h25 km/h
BEN 17092-5neinwie Klasse Awie Klasse A
CEN 17092-6nur Protektorenkein Abriebschutzkein Abriebschutz

Normen-Dschungel: Was dir die Nummer auf dem Etikett verrät

Jacken, Hosen und Kombis werden nach EN 17092 geprüft. Für Handschuhe, Stiefel, Protektoren und Helme gibt es eigene Normen. Auf dem Etikett stehen jeweils Normnummer und Ausgabejahr, bei Stiefeln zum Beispiel direkt unter dem Piktogramm. Die Tabelle unten zeigt alle Normen auf einen Blick.

Handschuhe (EN 13594:2015)
Motorradhandschuhe werden in Level 1 (Mindestschutz) oder Level 2 (für Fahrer mit erhöhtem Unfallrisiko) eingestuft. Maßgeblich ist das schwächste Prüfergebnis. Steht im Piktogramm zusätzlich „KP“, hat der Handschuh einen geprüften Knöchelschutz, der alle vier Fingerknöchel abdeckt. Passende Modelle findest du bei unseren Motorradhandschuhen.

Stiefel (EN 13634:2017)
Im Piktogramm stehen vier Ziffern, jeweils 1 oder 2. Sie stehen der Reihe nach für die Schafthöhe, die Abriebfestigkeit, die Schnittfestigkeit beim Aufprall und die Quersteifigkeit. Stufe 1 erfüllt die Mindestanforderungen, Stufe 2 bietet mehr Schutz, etwa für Rennstrecke und Training, ist aber oft schwerer und weniger bequem. Zusatzkürzel zeigen weitere geprüfte Eigenschaften, zum Beispiel IPA (Knöchelprotektor), IPS (Schienbeinprotektor) oder WR (Schutz gegen eindringendes Wasser). Hier geht es zu unseren Motorradstiefeln.

Protektoren (EN 1621)
Je nach Körperstelle gilt ein eigener Teil der Norm EN 1621. Gelenk- und Rückenprotektoren werden zusätzlich in Level 1 oder Level 2 eingestuft, wobei Level 2 einen Aufprall stärker dämpft. Was hinter den Levels steckt, erklären wir in unserem Material- und Technologielexikon unter „Protektoren & Airbags“.

Airbags (EN 1621-4:2013)
Die Norm gilt für Airbags, die mechanisch über eine Reißleine am Motorrad ausgelöst werden. Elektronisch ausgelöste Airbags deckt sie nicht ab.

Helme (ECE 22.06)
Helme fallen unter die UN-Regelung ECE 22. Seit Juni 2022 erhalten neue Helmmodelle nur noch eine Zulassung nach ECE 22.06. Neu sind unter anderem eine Messung der Rotationsbeschleunigung, höhere Aufprallgeschwindigkeiten an frei wählbaren Prüfpunkten und ein Beschuss des Visiers mit einer Stahlkugel bei 60 m/s. Klapphelme werden mit geschlossenem und mit geöffnetem Kinnteil geprüft. Helme nach der Vorgängernorm ECE 22.05 darfst du weiter tragen. Zu unseren Helmen.

Steinschlagschutz (EN 14021:2003)
Diese Norm gilt für Steinschlagschutz im Offroad-Bereich, der vor Steinen und aufgewirbeltem Dreck schützt.

AusrüstungNormAuf dem Etikett
Jacken, Hosen, KombisEN 17092-2 bis -6:2020Klasse AAA, AA, A, B oder C
HandschuheEN 13594:2015Level 1 oder 2, KP = Knöchelschutz
StiefelEN 13634:2017vier Ziffern (je 1 oder 2), Zusatzkürzel wie IPA, IPS, WR
Protektoren für Schulter, Ellbogen, Hüfte, KnieEN 1621-1:2012Level 1 oder 2
RückenprotektorenEN 1621-2:2014Level 1 oder 2
BrustprotektorenEN 1621-3:2018–
Airbags mit ReißleineEN 1621-4:2013nicht für elektronisch ausgelöste Airbags
Steinschlagschutz (Offroad)EN 14021:2003–
HelmeECE 22.06UN-Regelung, keine PSA

So sieht ein Abriebtest aus

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

The Rokker Company testet ihre Hosen über die vorgeschriebenen Normprüfungen hinaus selbst. 😉

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Unser Tipp: Achte beim Kauf auf das Etikett. Steht dort weder eine Norm noch eine Schutzklasse, ist das Kleidungsstück nicht als Motorradschutzkleidung geprüft, egal aus welchem Material es besteht.

Noch Fragen?

Du hast Fragen zum Thema Bekleidung und Accessoires? Sprich einfach mit unseren Experten in Augustfehn oder Stuhr und lasse Dir alle Fragen rund um die Themen Bekleidung und Accessoires beantworten.

Bekleidung - Sabine Hullmann
Sabine Hullmann

Augustfehn
04489 / 942 592 20
info@1903shop.de

Bekleidung - Hannelore Schmidt
Hannelore Schmidt

Augustfehn
04489 / 942 592 – 21
hannelore@hd-bab.de

Bekleidung - Claudia Feye
Claudia Feye

Stuhr
0421 / 800 441 – 22
shop@hdbremen.de

Team-Bremen_Bianka-Rutz
Bianka Rutz

Stuhr
0421 / 800 441 – 21
shop@hdbremen.de

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann teile ihn gern!

Das könnte dir auch noch gefallen